Bildungsdemo am 18.1.2012

Das Hochschulpolitische Referat der Studierendenvertretung ruft zur
Teilnahme an der Bildungsdemo am 18.1.2012 auf.

Das Prinzip der unternehmerischen Hochschule wankt.
Studiengebühren verabschieden sich peut a peut in die Geschichtsbücher,
Studierendenschaften bekommen wieder eine Struktur als eine
Körperschaft, die ihre eigenen Angelegenheiten im Rahmen der Gesetze
autonom regeln können, und auch die Beteiligung der Studierenden
entwickelt sich langsam von „ganz schlecht“ zu „schlecht“.
Das Bundesland Bayern wäre aber nicht selbiges, würde es dem Zeitgeist
entsprechen. Deshalb müssen die Betroffenen dieser Politik stets aufs
neue Ihre Meinung kund tun, sich die Straße zu eigen machen und zeigen,
dass sie mit diesem Bildungssystem unzufrieden sind.

Ein „weiter so“ kann und darf es nicht geben. Deshalb unterstützt das
Hochschulpolitische Referat der Studierendenvertretung die Bildungsdemo
am 18.1.2012 und ruft alle Menschen zur Teilnahme auf.

Wieviele Seiten Habermas ergeben einen Carbon?

Eine Antwort auf diesen Artikel: http://idw-online.de/de/news456435

Prof. Carbon, Methodenlehrer an der Hochschule Bamberg geht in die Geschichte ein. Der H-Faktor wurde nach ihm benannt. Sicher, es ist wohl eher eine Carbon-Legierung, mit der man es hier zu tun hat. Schließlich geht der eigentliche H-Index auf den Physiker (!) Jorge E. Hirsch zurück. So berichten die Uni News, in Ihrem ausführlichen Artikel zu dieser Leistung, dass dieser „Index die Anzahl (h) der Publikationen eines Autors angibt, die jeweils mindestens h mal zitiert worden sind. Ein hoher h-Index spricht demzufolge für eine starke Durchdringung der eigenen Artikel in der Wissenschaftswelt, wird also als hohe Reputation eines Wissenschaftlers interpretiert.“
Der Psychologe Prof. Carbon nahm sich diese physikalische Leistung eines Standardmaßstabes zur Beurteilung wissenschaftlichen Erfolgs jetzt zur Brust. So berichten die Uni News weiter: „Im sogenannten Carbon_h-factor wird der h-Index an der Anzahl der forschungsaktiven Jahre (Zeitraum zwischen aktueller Messung und erster zitationserfassbaren Publikation relativiert. Es resultiert ein Steigungsfaktor für den h-Index, der angibt, mit welcher Geschwindigkeit sich der h-Index entwickelt“.
Die große Leistung Prof. Carbons besteht allerdings darin, dass es auf Basis dieser Daten möglich ist, innerhalb der Interpretationsmöglichkeiten des h-Index, Vergleiche auch zwischen Wissenschaftlern in unterschiedlichen Karriereabschnitten und über unterschiedliche Wissenschaftsgebiete systematisch durchzuführen.
Ein Meisterwerk der Objektivierung wissenschaftlicher Leistungen möchte man meinen. Jedoch ist das Erstellen des Carbon_h-Faktors nichts anderes als die Arbeit eines Werkzeugmachers, mit dem Unterschied, dass mit einem Hammer tausende verschiedener Tätigkeiten ausgeführt werden können. Diesem Werkzeug ist jedoch seine singuläre Funktion implizit: Die Objektivierung des wissenschaftlichen Arbeitens.
Wer die Arbeit von Akademiker_innen auf Ihre Veröffentlichungen und die Häufigkeit Ihrer Zitation reduziert, muss sich die Frage nach dem zu Grunde liegenden Wissenschaftsbegriff gefallen lassen.
Eine Beurteilung der Arbeit von Wissenschaftler_innen ist per se mehr als waghalsig. Allerdings ist die Art und Weise Prof. Carbons geradezu gefährlich. So werden hier Akademiker_innen benachteiligt, die sich verstärkt der Lehre widmen. Doch auch die akademische Lehre ist Wissenschaft. Die Endgültige Teilung von Forschung Lehre wird dieser Maßstab aber nur noch voran treiben.
Auch, dass sich Prof. Carbon auf die Anzahl der Veröffentlichungen stürzt ist Teil einer Wissenschaftsideologie. Artikel in Fachzeitschriften (15-20 Seiten in „Public Library of Science“), auch wenn noch so banal, werden hier maßgeblichen Werken (All den schönen Suhrkamp-Taschenbüchern in eurem Regal) systematisch vorgezogen.
Prof. Carbon, setzt dem ganzen die Krone auf, wenn er letzten Endes auch noch anhand des Index verschiedene Wissenschaftsgebiete miteinander vergleichen will. „Wie viele Seiten Habermas ergeben einen Carbon?“ möchte man da fragen.
Vielleicht sollten es auch Psychologen der Gegenwart mit dem verstorbenen Psychologen Erich Fromm halten. Dieser stellte sich mit dem Humanismus gegen die in triumphalem Unheil vollends aufgeklärten Physiker und deren neu entwickelte Atom-Bombe.

Rede zur Demo „Bildung ist Menschenrecht“

Liebe Demonstrant_innen,

der Präsident der Hochschule Bamberg hat in seiner Begrüßungsrede für die Erstsemester_innen die Hochschule als „Feinkostladen“ bezeichnet – und genau das ist sie auch: Ein Unternehmen, das Waren für die privilegierte Oberschicht anbietet. Nur das hier die Ware nicht Kalbsleberwurst oder Trüffelpraline sondern Bachelor oder Master heißt.

Diese Umwandlung der Universität hin zum Unternehmen war ein schleichender Prozess, doch seine Auswirkungen sind verheerend.

Dabei sind nicht nur Student_innen von dieser Ökonomisierung betroffen, sondern auch Dozent_innen.
Bei der vor einigen Jahren eingeführten W-Professur richten sich die Gehälter nach der Leistung der Dozent_innen. Die vergleichsweise niedrige Entlohnung kann durch Prämien, zum Beispiel für besondere Leistungen in Forschung, aufgestockt werden. Damit steigt aber der Leistungs- und Konkurrenzdruck auf die Lehrenden. Sie müssen möglichst viele Forschungsergebnisse in möglichst kurzer Zeit erbringen, wodurch Erkenntnisgewinn durch Forschung zweitrangig wird.

Ein anderer Fall ist die Einführung des ECTS Punktesystems. Hier wird versucht, individuelle Bildung strukturierbar und vergleichbar zu machen. Doch Zahlen können den individuellen Erkenntnisgewinn nicht ausdrücken, der in erster Linie für die einzelne Person von Bedeutung ist.

Auch Studiengebühren sind Auswirkungen der ökonomisierten Hochschule. Um im nationalen und internationalen Vergleich zu bestehen, muss das Unternehmen Universität von ihren Kund_innen, den Student_innen, Studiengebühren einfordern, denn wie jedes andere Unternehmen muss auch dieses seinen Profit maximieren. Das durch Studiengebühren gewonnene Kapital kann in eine schnellere Abfertigung der Kund_innen investiert, und in Humankapital umgewandelt werden.
Nicht umsonst rühmt sich die Hochschule Bamberg als „Hochschule für Eilige“. Eine Eiligkeit, die meint, möglichst schnell seine Arbeitskraft möglichst gewinnbringend auf dem Markt verkaufen zu können.

W-Professur, Punktesystem, Studiengebühren: Sie alle sind beispielhafte Auswirkungen eines verkürzten Verständnisses von Bildung. Ein Verständnis, in dem Bildung nur Kategorie ist. Ein Verständnis, bei dem Bildung aus einem ökonomischen Prozess abgeleitet und somit diesem untergeordnet ist. Ein Verständnis, das Bildung zur Ware degradiert.

Warenform bedeutet Käuflichkeit und das bedeutet Ausschluss derer, die diese Kaufkraft nicht aufbringen können. Personen aus einkommensschwachen Milieus wird somit der Zugang zu Bildung verwehrt. Eliten aber können sich sorglos reproduzieren. Solange der Pöbel aus dem Feinkostladen gehalten wird, können Kalbsleberwurst und Trüffelpraline ungestört konsumiert werden.
So produziert und reproduziert die Hochschule also soziale Ungleichheit.

Die Antwort auf die Schuldfrage findet sich nicht nur bei Entscheidungsträger_innen, sondern vor allem auch bei denen, die sich unkritisch in diesem System einfügen. Es sind die Student_innen, die die Hochschule eben auch – bewusst oder unbewusst – als Dienstleistungsunternehmen anerkennen. Aussagen wie: „Für meine 500 € will ich auch einen Tisch“, sind traurige, weil systemstabilisierende Beispiel dafür. Wer eine effizientere Verwendung von Studiengebühren verlangt, schreit gleichzeitig nach deren Beibehaltung.
Doch auch die punktuelle Kritik an Studiengebühren verkennt den Kontext. Gegen Studiengebühren zu argumentieren, muss auch heißen, die Ökonomisierung des Bildungsystems zu überwinden. Vernünftige Kritik muss grundsätzlich und konsequent sein, um zu verändern.

Statt der Degradierung des Menschen zum Objekt der Wertschöpfung ist Bildung Mittel für Emanzipation des Menschen zum freien und mündigen Subjekt.

Stuve-We: Beginn am Freitag, 16.00 Uhr

Das Wochenende der Studierendenvertretung (und aller Interessierten) beginnt am Freitag um 16°° in der U7. Bevor Herr Dr. Gerten zu „Universität und Gesellschaft“ referiert, soll hier die Planung der nächsten Tage besprochen werden.

Einladung zum Studierendenvertretungswochenende

Liebe Aktive und Interessierte,

das Referat für Hochschulpolitik lädt im Auftrag des Fachschaftenrats zum Studierendenvertretungswochende vom 22. bis 24. Oktober ein. Stattfinden wird dies in den Räumen der U7 (An der Universität 7) und im Balthasar (Balthasargässchen 1).
In erster Linie dient das Wochenende der Vernetzung innerhalb der Studierendenvertretung, und als Anlaufstelle für Einsteiger_innen.

Die Agenda des Wochenendes füllt sich durch die Interessen der Teilnehmer_innen.
Für ein Impulsreferat am Freitag zum Thema Universität und Gesellschaft wurde Dr. Michael Gerten eingeladen. Für Verpflegung ist gesorgt.

Herzlich wollen wir also alle einladen, die sich bereits mit der Hochschulpolitik beschäftigen, oder dies in Zukunft vorhaben!

Wir bitten um eine Anmeldung über diese Adresse:

hopo-bamberg@gmx.de

Beste Grüße,

Referat für Hochschulpolitik

Weitere Infos zur Hochschulpoltik und dem Referat unter:

www.fzs.de

http://vc.uni-bamberg.de/moodle/course/view.php?id=4410

http://hopony.blogsport.de/