Liebe Demonstrant_innen,
der Präsident der Hochschule Bamberg hat in seiner Begrüßungsrede für die Erstsemester_innen die Hochschule als „Feinkostladen“ bezeichnet – und genau das ist sie auch: Ein Unternehmen, das Waren für die privilegierte Oberschicht anbietet. Nur das hier die Ware nicht Kalbsleberwurst oder Trüffelpraline sondern Bachelor oder Master heißt.
Diese Umwandlung der Universität hin zum Unternehmen war ein schleichender Prozess, doch seine Auswirkungen sind verheerend.
Dabei sind nicht nur Student_innen von dieser Ökonomisierung betroffen, sondern auch Dozent_innen.
Bei der vor einigen Jahren eingeführten W-Professur richten sich die Gehälter nach der Leistung der Dozent_innen. Die vergleichsweise niedrige Entlohnung kann durch Prämien, zum Beispiel für besondere Leistungen in Forschung, aufgestockt werden. Damit steigt aber der Leistungs- und Konkurrenzdruck auf die Lehrenden. Sie müssen möglichst viele Forschungsergebnisse in möglichst kurzer Zeit erbringen, wodurch Erkenntnisgewinn durch Forschung zweitrangig wird.
Ein anderer Fall ist die Einführung des ECTS Punktesystems. Hier wird versucht, individuelle Bildung strukturierbar und vergleichbar zu machen. Doch Zahlen können den individuellen Erkenntnisgewinn nicht ausdrücken, der in erster Linie für die einzelne Person von Bedeutung ist.
Auch Studiengebühren sind Auswirkungen der ökonomisierten Hochschule. Um im nationalen und internationalen Vergleich zu bestehen, muss das Unternehmen Universität von ihren Kund_innen, den Student_innen, Studiengebühren einfordern, denn wie jedes andere Unternehmen muss auch dieses seinen Profit maximieren. Das durch Studiengebühren gewonnene Kapital kann in eine schnellere Abfertigung der Kund_innen investiert, und in Humankapital umgewandelt werden.
Nicht umsonst rühmt sich die Hochschule Bamberg als „Hochschule für Eilige“. Eine Eiligkeit, die meint, möglichst schnell seine Arbeitskraft möglichst gewinnbringend auf dem Markt verkaufen zu können.
W-Professur, Punktesystem, Studiengebühren: Sie alle sind beispielhafte Auswirkungen eines verkürzten Verständnisses von Bildung. Ein Verständnis, in dem Bildung nur Kategorie ist. Ein Verständnis, bei dem Bildung aus einem ökonomischen Prozess abgeleitet und somit diesem untergeordnet ist. Ein Verständnis, das Bildung zur Ware degradiert.
Warenform bedeutet Käuflichkeit und das bedeutet Ausschluss derer, die diese Kaufkraft nicht aufbringen können. Personen aus einkommensschwachen Milieus wird somit der Zugang zu Bildung verwehrt. Eliten aber können sich sorglos reproduzieren. Solange der Pöbel aus dem Feinkostladen gehalten wird, können Kalbsleberwurst und Trüffelpraline ungestört konsumiert werden.
So produziert und reproduziert die Hochschule also soziale Ungleichheit.
Die Antwort auf die Schuldfrage findet sich nicht nur bei Entscheidungsträger_innen, sondern vor allem auch bei denen, die sich unkritisch in diesem System einfügen. Es sind die Student_innen, die die Hochschule eben auch – bewusst oder unbewusst – als Dienstleistungsunternehmen anerkennen. Aussagen wie: „Für meine 500 € will ich auch einen Tisch“, sind traurige, weil systemstabilisierende Beispiel dafür. Wer eine effizientere Verwendung von Studiengebühren verlangt, schreit gleichzeitig nach deren Beibehaltung.
Doch auch die punktuelle Kritik an Studiengebühren verkennt den Kontext. Gegen Studiengebühren zu argumentieren, muss auch heißen, die Ökonomisierung des Bildungsystems zu überwinden. Vernünftige Kritik muss grundsätzlich und konsequent sein, um zu verändern.
Statt der Degradierung des Menschen zum Objekt der Wertschöpfung ist Bildung Mittel für Emanzipation des Menschen zum freien und mündigen Subjekt.